SELF Studie

Theoretischer Bezugsrahmen

Sowohl pädagogisch-psychologische als auch kulturanthropologische Forschungsbefunde zeigen, dass soziale Beziehungen und damit verbundene Emotionen für den schulischen Lehr- und Lernprozess entscheidende Einflussgrößen sind. Qualitativ und quantitativ methodisch orientierte Studien zum Lehrer-Schüler-Verhältnis, zum Schüler-Schüler-Verhältnis, zum Klassen- und Schulklima, aber auch zum Lebensort Schule verdeutlichen, dass der individuelle Lernerfolg von Schülern durch positiv emotional erlebte soziale Beziehungen begünstigt wird. Diesen Ergebnissen widersprechen Befunde aus der Motivationsforschung, die zeigen, dass es auch Schüler/-innen gibt, die konstante (gute bzw. schlechte) Schulleistungen zeigen, unabhängig von den Lehrern/-innen, die sie unterrichten oder den Klassenkameraden, die sie umgeben.

Unser Projekt SELF geht der Frage nach, welche Bedeutung sozio-emotionale Faktoren im schulischen Lernprozess haben und warum sie für einige Schüler/-innen relevant sind und für andere nicht.
Aufgrund der Komplexität der Zusammenhänge zwischen sozio-emotionalen Faktoren und Lernprozessen im schulischen Kontext verknüpfen wir in einem methodentriangulativen Verfahren die Ergebnisse einer quantitativen Fragebogenerhebung mit neurobiologisch experimentellen Testungen und qualitativen Interviews. Primäres Ziel des Verfahrens war die Erstellung einer Schüler-Typologie, die Aufschluss über die mögliche unterschiedliche Bedeutung sozio-emotionaler Faktoren im schulischen Lernprozess geben soll. Die Ermittlung von sozialen und emotionalen Faktoren, die die Motivation und das Lernen beeinflussen, sowie die Klärung der neuronalen Grundlagen der Interaktion von kognitiven und emotionalen Lernprozessen können zu wirksamen Fördermaßnahmen führen, sowohl auf Ebene der individuellen Förderung der Schüler/-innen als auch im Rahmen der Lehrerbildung.

Forschungsdesign

Die erste Projketphase lief über einen Zeitraum von fünf Jahren. Für die gesamte Studie wurden 2011 1088 Schüler/-innen der achten Klasse sowohl an Oberschulen (Sekundarschulen) als auch an Gymnasien in Brandenburg befragt. Da es sich um ein Längsschnittstudiendesign handelt, wurden dieselben Schüler/-innen zu einem zweiten Messzeitpunkt (2013) am Ende der neunten Klasse ein weiteres Mal befragt.

Mittels Latent Class Analysis wurde eine Schüler-Typologie in Bezug auf sozio-emotionale Faktoren in schulischen Motivationsprozessen eruiert. Es konnten vier verschiedene Motivationstypen (MT) identifiziert werden: (1) ein lehrer-abhängiger MT, (2) ein peer-abhängiger MT, (3) ein peer & lehrer-abhängiger MT und (4) ein peer & lehrer-unabhängiger MT.

86 Repräsentanten/-innen der vier Typen (mind. 20 aus jedem MT) wurden zusätlich in einer experimentellen Studie mittels funktionellem Magnetresonanztomographen (fMRT) untersucht. Diese Untersuchung wurde in Zusammenarbeit mit der Charité Berlin Mitte geplant und durchgeführt. Um ein genaueres Verständnis in Hinblick auf die vier Motvationstypen zu erlangen, wurden zusätzlich qualitative Interviews mit diesen 86 Schüler/-innen geführt. Die zweiten fMRT Messungen und Interviews haben wir im Juni 2014 abgeschlossen.

Das Projekt wurde um 3 Jahre bis 2018 verlängert.